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Material:
Schildrohling (48 EUR)
Lederriemen (8 EUR)
Riemenschließen (10 EUR; wurden bei diesen Schilden nicht verwendet)
Leinenstoff (8 EUR)
ca. 3m Rohhaut (18 EUR)
4 bzw. 6 handgeschmiedete Nägel (3 EUR)
200 Kammzwecken (5 EUR)
Modelbaufarbe (8 EUR)
Gesamt: 108 EUR
Werkzeuge
Bleistift
Pinzette als Nagelhalter
Hammer
Lochzange (falls Schnallen an der Beriemung angebracht werden)
Akkuschrauber mit dünnem Bohrer
Kombi- oder Wasserpumpenzange
2-3 Pinsel
Kreppklebeband
4 Schraubzwingen
50 Wäscheklammern
4 cm Blech oder Karton als Abstandhalter für die Nägel
Los geht's
Die einfachste Arbeit am Schild war der Holzrohling. Den haben wir nämlich über Ebay
gekauft. Sicherlich bekommt man das Aussägen und Biegen auch selber hin, aber ob
Arbeitaufwand und Ergebnis in Relation zu dem Preis eines fertigen Rohlings stehen, möge
bitte jeder für sich selbst entscheiden.
Als erstes ölen wir die Schildrückseite mit normalem Salatöl. Das gibt dem Holz eine
etwas dunklere Farbe und einen schönen Glanz, wodurch das Holz nicht mehr ganz so
nach Baumarkt aussieht.
Nicht die Vorderseite ölen, da diese eh bespannt wird und auf dem geölten Holz kein Leim
mehr halten würde. Das Schild ne Weile stehen lassen, damit das Öl einzieht.
Lange haben wir uns Gedanken über die Beriemung gemacht, haben im Internet
recherchiert, uns bei befreundeten Gruppen Schilde angesehen und haben uns dann zum
Schluss doch für eine Schildberiemung im Stil hochmittelalterlicher Ritterschilde entschieden.
Die original normannische Schildberiemung eignet sich sicher hervorragend für den
Kampf im Schildwall und auch für den Kampf zu Pferd, aber für unsere Schaukämpfe ist
sie eher ungeeignet.
Bevor man anfängt ist es sinnvoll vorher zu prüfen wie sich das Schild angenehm führen
lässt. Das geht am besten wenn einer den Schild in Kampfhöhe festhält und der andere
ausprobiert in welchem Winkel sein Arm am besten am Schild liegt. Dann links und rechts
am Arm eine Linie Zeichen. Das bildet dann die Mitte des Kissens.
Wir haben aus Leinenstoff ein Kissen gebastelt und dieses mit Kammzwecken auf 3 Seiten
am Schild festgenagelt. Dann das Kissen gleichmäßig mit Stoffresten ausgestopft, so dass
es schön prall ist. Anschließend wurde auch die vierte Seite vernagelt.
!!!Tipp!!! Für die kurzen Kammzwecken nimmt man am besten eine Pinzette als
Nagelhalter.
Das Kissen sollte etwa von knapp vor dem Ellbogen bis knapp übers Handgelenk gehen.
Danach kommt die Beriemung dran. Auf jeden Fall immer mit dem vorderen Riemen
anfangen. Den kann man wahlweise mit einem einfachen, oder einem gekreuzten Riemen
machen.
Der vordere Riemen sollte so lang sein, dass man bequem mit der behandschuhten Hand
zugreifen kann.
Die Löcher mit einem kleinen Bohrer vorbohren und dann die Nägel durch Riemen und
Schild schlagen. Die Nägel werden nun umgebogen und auf der Schildvorderseite wieder
ins Holz geschlagen.
Dazu biegt man die Spitze des Nagels etwa 0,5cm mit einer Zange um etwas mehr als 90°
um.
Danach setzt man ganz unten am Nagel einen Schraubenzieher an und winkelt den Nagel
eng am Schild ab. Dann so lange drauf rumhämmern bis der Nagel wieder ins Holz
eindringt.
Anschließend kam der hintere Riemen dran.
Wir mussten zu unserer Überraschung feststellen, dass der hintere Riemen besser nicht
parallel zum Vorderen gesetzt wird. Der Schild trägt sich weit besser, wenn der hintere
Riemen schräg angebracht wird.
Das probiert man auch am besten aus, indem man den hinteren Riemen an einer Seite
annagelt, dann hält einer das Schild in Kampfposition und man probiert wie der
Riemen am besten passt. Danach dann komplett fertig annageln.
Wie wir im nachhinein festgestellt haben, wäre es sinnvoller gewesen den hinteren
Riemen mit einer Schnalle zu versehen. Man hat ja nicht immer gleich dicke Klamotten
an.
Als nächstes kommt die Bespannung mit Leinen dran. Doch hier eine kurze Überlegung
vorweg. Wir mussten beim Kämpfen mit den Schilden leider feststellen, dass der
Leinenstoff an den Stellen, an denen die Nägel durchs Holz geschlagen sind sehr leicht
einreißt.
Hier gäbe es nun 2 Möglichkeiten das evtl. zu verhindern.
a) man klebt, bevor man das Leinen aufbringt, dicke Lederstücke auf die Nägel.
b) man macht eine Nut ins Holz, so dass die Nägel bündig mit der Schildoberfläche liegen.
Das würde das Schild aber schwächen.
So, nun aber zum Leinen.
!!! Tipp !!! Das Leinen vorher nicht zuschneiden. Die Arbeit kann man sich sparen.
Das Schild 1x komplett auf der Vorderseite mit Holzleim (wer es A will nimmt Knochen-
oder Hautleim) einschmieren. Danach das Leinen auflegen und mit einer Gummiwalze
faltenfrei andrücken. Dann bis zum nächsten Tag trocknen lassen.
Nach dem Trocknen einfach mit einem Cuttermesser um das Schild herumschneiden.
Um die Stabilität zu erhöhen könnte man nun weitere Leinenschichten aufbringen.
Wir haben das nicht gemacht.
Die Bemalung.
Wer es A will sollte nun anfangen mit Farbpigmenten und Leinöl zu experimentieren.
Wir haben uns für Modellbaufarbe entschieden, da diese nicht anders aussieht und weit
weniger Arbeit macht.
Man sollte drauf achten, dass man keine schreienden Hochglanzfarben verwendet, da
diese einfach unglaubwürdig aussehen. (Es gab sie allerdings im Mittelalter)
Unsere Schilde haben wir mit einem Schachbrettmuster in den Farben unserer Gruppe
bemalt. Diese Schachbrettmuster ist eigentlich erst im Hochmittelalter verbreitet und
damit für Normannenschilde etwas zu spät, aber uns hat es gefallen.
Die einzelnen Felder haben wir mit Kreppklebeband abgeklebt und innerhalb von 2 Tagen
zuerst die weißen und dann die grünen Felder gemalt.
Um eine saubere Kante zu bekommen, sollte das Klebeband immer abgezogen werden,
so lange die Farbe noch nass ist.
Als nächstes machen wir den Rand aus Rohhaut.
Hier streiten sich die Experten immer noch, ob es einen Rohhautrand wirklich gegeben hat
oder nicht.
Auf dem Teppich von Bayeux kann man an den Schilden deutlich einen Schildrand
erkennen. Das verwendete Material ist jedoch unklar. Möglicherweise handelt es sich hier
auch um einen Metallrand oder nur um eine Bemalung.
Die Rohhaut haben wir von reenactors.de gekauft. Aus früheren Erfahrungen kann ich
dazu nur raten.
Immer wieder liest man von Rohhaut aus Hundeknochen. Als ich mein erstes Schild
gebaut habe und es mit dieser Hundeknochenrohhaut versucht habe, landete zum Schluss
alles im Abfall.
Es war ätzend zu verarbeiten und sah absolut mies aus.
Als erstes wird die Rohhaut in kaltem Wasser eingeweicht, bis sie sich gut biegen lässt.
Bei uns waren das ungefähr 20 Minuten.
Dann die Rohhaut mittig um das Schild legen und festklammern.
Dazu eignen sich teure Leimzwingen oder billige Wäscheklammern. Man tut sich leichter,
wenn man die Endpunkte kurzzeitig mit Schraubzwingen fixiert. Diese werden zum
Trocknen wieder abgenommen.
Am Ende eines Rohhautstreifens den nächsten Streifen immer ein Stück überlappend
auflegen, da sich die Rohhaut beim Trocknen zusammenzieht.
Deshalb auch auf keinen Fall die Rohhaut sofort annageln. Sie würde beim Trocknen
reissen, oder schlimmer noch, den Schild brechen.
Wir haben sie eine Nacht trocknen lassen bevor wir weiter gemacht haben.
Nach dem Trocknen kann man die Wäscheklammern entfernen, da die Rohhaut fest am Schild anliegt.
Nun wird die Rohhaut angenagelt. Damit das ganze ordentlich aussieht sollte man sich
einen Abstandhalter für die Nägel basteln. Wir haben dazu ein kleines Stück Blech
verwendet. Holz oder Karton würden aber sicherlich auch gehen.
Aufpassen, dass man auf der Rückseite versetzt nagelt, sonst kommen sich die Nägel in
die Quere.
Das fertige Ergebnis sieht dann so aus
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